Über analoge Berührungspunkte und die Bedeutung von Objekten
von Valerie Präkelt

Das Fotobuch Room 13 nimmt uns mit in die Hotel Boutique Decor Walther. Ein Hotel mit diesem Namen gibt es nicht wirklich; es ist ein Gedankenspiel, das Viviane Hausstein und Marc Krause auf Einladung von Decor Walther entwickelt und gemeinsam fotografiert haben. Würde dieses Hotel existieren, dann könnte es überall stehen: am Fuß eines Berges, unweit des Strandes, in einer Metropole, die nachts nie schläft – ganz wie die zwei Protagonistinnen des Fotobuchs, die rastlos durch das Haus streifen und sich ausgerechnet im Zimmer mit der Nummer 13 einquartiert haben. Aus Aberglauben verzichteten viele Hotels lange auf die vermeintliche Unglückszahl, doch interessieren sich diese beiden Besucherinnen nicht fürs Vermeintliche, sondern interagieren mit dem Konkreten: den Möbeln und Objekten, die dem Haus seinen Charakter verleihen. Ein Finger drückt auf den Seifenspender, ein Gesicht spiegelt sich ganz nah im kreisrunden Spiegel des Badezimmers. Eine Hand hebt ein Kristallglas zum Mund und stellt die Zahnbürste in den nachtschwarzen Porzellanbecher. Bisweilen wünscht man sich, dass man all diese Dinge zum Leben erwecken könnte – sicherlich könnten sie die ungeheuerlichsten Geschichten über die Hotelgäste erzählen, die hier ein- und ausgehen.

In der Hotellerie bezeichnet man alle Interaktionen, die der Gast mit einem Haus hat, als Touchpoints – im Grunde sind damit alle Erlebnisse vom digitalen Buchungserlebnis bis zum Check-out gemeint. Ausnahmsweise ist das deutsche Wort viel schöner: Berührungspunkte liegt weicher auf den Lippen. Von diesen Berührungspunkten gibt es in der Hotel Boutique Decor Walther zahlreiche. Etwa, wenn die Besucherinnen mit dem großen Metallschlüssel die schwere Zimmertür aufschließen und in den Baumwoll-Pyjama schlüpfen, der von einer italienischen Manufaktur genäht wurde. Es sind die analogen Berührungspunkte, die besonders im Gedächtnis bleiben. Das gilt auch für die Interaktion mit den Gegenständen des Hotels: Meist nehmen wir ein Objekt zuerst mit unseren Augen wahr. Das erste Betrachten kann entscheiden, ob uns etwas gefällt; ob wir ein Objekt als schön empfinden. Durch das Berühren aber lässt sich die Originalität, Authentizität und Materialität eines Objekts erkennen.

In einem guten Hotel sind Qualität und Langlebigkeit ein entscheidendes Einzugskriterium für Produkte und Alltagsgegenstände. Ein Hotelzimmer ist ein Mikrokosmos, und all die Dinge, die es füllen, müssen so hergestellt werden, dass sie hunderte, nein abertausende Interaktionen mit Gästen mit Anmut überdauern und in Schönheit altern. Für ein Unternehmen wie Decor Walther, dem Namensgeber des fiktiven Hotels, hat es intrinsisch und als Teil des eigenen Wertekatalogs schon immer eine Rolle gespielt, Bad- und Wohnaccessoires, Leuchten und Spiegel formschön und langlebig zu konzipieren – weil es nie nur um die Hülle, sondern um das Zusammenspiel von Optik und Haptik geht. Wie viele Berührungspunkte die beiden Besucherinnen aus Room 13 letztlich sammeln, wissen wir nicht. Auch erfahren wir nicht, wie lange sie in der Hotel Boutique Decor Walther verweilen. Vielleicht sind sie ohnehin nur eine flüchtige Erinnerung oder eine auf einen Notizblock skizzierte Idee; ganz wie das Hotel mit dem Zimmer Nummer 13, in dem nichts ewig währt, außer den Objekten, die hier residieren.