Die Menschen hinter Room 13

Ein Gespräch mit Viviane Hausstein, Marc Krause und Henry Walther über Bilder, Räume und Intuition.

Viviane, Marc: das Hotelzimmer steht im Zentrum von Room 13. Was fasziniert euch an diesem Raum?

Viviane Hausstein: Das räumliche Selbst. Die Wahrnehmung eines Ortes, der überall stattfinden kann und mit so vielen diversen Geschichten und unterschiedlichen Wahrnehmungen gefüllt wird. Ein Hotelzimmer hat etwas Parallelweltliches – ein Versuch eines geschützten, intimen Raumes außerhalb des eigentlichen Zuhauses.

Das Hotelzimmer mit der Nummer 13 ist im Hotelbusiness non-existent, was nur schwer erahnen lässt, was hinter den verschlossenen Türen passiert, wenn es keinen realen Zugang gibt.

Marc Krause: Es ist der Kosmos „Hotel“, der hier interessant ist, innerhalb, aber auch außerhalb des eigentlichen Hotelzimmers. Wofür steht dieser Ort? Ein Durchgangsort für viele, der Funktionen erfüllen muss, um es möglichst schnell ein gutes Gefühl zu geben und gleichzeitig die nötigen Funktionen erfüllen muss. Das hat kulturhistorisch ja schon oft Plattform gegeben für alle möglichen Begegnungen auf Basis des anonymen Raums, aber soll gleichzeitig im Kontrast dieses Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit und des Privaten geben. Das ist ein spannender Nahezu-Widerspruch, der sich aber irgendwie hier zu ergänzen scheint. Mit der Zimmernummer 13 zitieren wir einen Ort, den es so gar nicht gibt und rufen ihn so in seine Existenz, um damit für uns die Sicherheit zu erhalten, eine unbespielte Bühne zu bekommen, die wir befüllen und energetisch aufladen durften.

VIVIANE HAUSSTEIN

Euer Projekt beschäftigt sich stark mit dem „Dazwischen” – zwischen Mensch, Raum und Objekt. Wie habt ihr diesen Zustand fotografisch übersetzt?

Viviane Hausstein: Das Dazwischen trägt eine eigene Dynamik, eine besondere Energie. Hier fällt die Entscheidung fast unbemerkt, hier beginnt das intuitive Handeln – noch ehe man es selbst erkennt. Ein Moment des Unkontrollierten, der einem Bild Spontanität und Charakter schenkt, ohne bewusst erzwungen zu sein. Oft scheint in diesen Zwischenräumen mehr Raum und Potenzial zu liegen als in den klar gefassten, festen Momenten. Das Haptische ist spürbar, doch noch nicht vollständig verstanden. Das Alte liegt hinter uns, das Neue keimt noch, unfertig und vielversprechend. Vielleicht ist dies der Moment, in dem wir wirklich lernen – in dem sich der Raum zur Entfaltung öffnet. Von dieser Offenheit und Neugierde haben wir uns auch beim Fotografieren leiten lassen.

Marc Krause: Wir haben das „Dazwischen“ durch Stellvertreterinnen dargestellt, durch deren Augen und Körper die Welt der Orte miterlebbar wird. Sie verbringen Zeit miteinander; ihre Beziehung bleibt unklar – Freundschaft, Geschwister, Romantik – nichts davon ist ausgesprochen oder beantwortet. Dadurch werden sie zur Projektion für uns selbst: Wir sind sie. Wir sind auch im Raum und berühren und fühlen ihn somit auch.

MARC KRAUSE

Henry, Decor Walther ist in vielen internationalen Hotels präsent. Welche neuen Perspektiven auf Hotels und deren Nutzung hat dir das Projekt eröffnet?

Henry Walther: Das Projekt hat mir erneut sehr bewusst gemacht, wie stark unsere Wahrnehmung eines Ortes auf einer unterbewussten Ebene entsteht. Es sind selten die offensichtlichen Dinge, die ein Gefühl von Wohlbefinden erzeugen, sondern jene leisen Qualitäten, die Authentizität, Ruhe und Wertschätzung vermitteln. Gerade in einer Zeit, in der vieles zwischen Real und Fake, Schein und Sein verschwimmt, wird es umso wichtiger, Orte mit allen Sinnen zu erleben: zu berühren, zu hören, zu riechen. Erst dann entwickeln wir – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Gespür dafür, ob ein Ort es „ehrlich“ mit uns meint.

Room13 zeigt diese poetische Dimension eines Hotels auf eben diese authentische Weise. Das Projekt bestätigt uns darin, Produkte zu entwickeln, die genau diese Offenheit und Echtheit begleiten und unterstützen. Denn sie sind es, die Ort und Persönlichkeit spürbar reflektieren.

Was hat dich dazu bewogen, Viviane und Marc einzuladen, sich mit dem Hotelraum und den Produkten von Decor Walther auseinanderzusetzen?

Henry Walther: Viviane und Marc haben eine besondere Fähigkeit, Räume emotional zu lesen und ihnen eine fast schon poetische, intuitive Erzählung zu geben. Beide arbeiten stark aus der Wahrnehmung heraus – dem, was zwischen Menschen, Dingen und zwischenmenschlich passiert.

Für uns war klar: Wenn wir ein Hotel als Mikrokosmos betrachten wollen, in dem Menschen, Routinen, Objekte und Atmosphären aufeinandertreffen, brauchen wir ein Team, das nicht dokumentiert, sondern interpretiert.

Ihre visuelle Sprache ermöglicht es, unsere Produkte nicht nur als funktionale Objekte, sondern als Teil einer sensiblen Verflechtung sichtbar zu machen.

HENRY WALTHER

Die Decor Walther Produkte fungieren als Bindeglied zwischen Mensch und Raum in eurem Projekt. Welche Rolle spielen Haptik und Materialität für Decor Walther?

Henry Walther: Uns gefällt hier besonders der deutsche Begriff der „Berührungspunkte“. Haptik und Materialität stehen im Zentrum unserer Arbeit. Ein Objekt wird erst dann Teil eines Raums, wenn es berührt, benutzt und zur Routine wird.

Für uns zählt daher: Materialehrlichkeit – Oberflächen, die man gerne anfasst und die man versteht Gewicht und Balance – wie sich ein Objekt in der Hand anfühlt. Unsere Produkte sollen Ruhe und Wertigkeit vermitteln, ohne laut zu sein. Die taktile Erfahrung ist dabei genauso wichtig wie die visuelle.

Was wünscht ihr euch, dass Leser:innen nach Room 13 anders wahrnehmen oder neu entdecken?

Henry Walther: Wir wünschen uns ein tieferes Verständnis für die Bedeutung der Berührungspunkte eines Ortes. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Das physische Erleben von Materialität und die visuelle Berührung der Seele durch Ästhetik. Room 13 soll sensibilisieren für das, was Räume und deren Objekte mit uns machen.

Viviane Hausstein: Dass Dinge um sie herum viel bewusster wahrgenommen werden. Das ist eine Einladung, sich in bestimmten Momenten noch mehr mit einer Präsenz zu verorten und alles, was um uns herum ist, noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wenn denn der Wunsch besteht – ohne es zu beurteilen. Oftmals gehen Details im Alltäglichen verloren, weil unser Kopf bestimmt, was unsere Agenda ist und vieles eben in unserem Leben eher „erdacht“ als „erfühlt“ oder „wahrgenommen“ wird.

Mit Sleeping Sartoria wurde außerdem eine kleine Kollektion aus Pyjamas und Bademantel entwickelt. Wie erweitert diese Kollektion die Idee des Projekts?

Marc Krause: Die Kollektion hat Camilo Oliveira für uns ausgedacht und entworfen, mit Gedanken aus der Welt der Anzugschneiderei. Der Gedanke war, etwas zu haben, das man im Buch sieht, das man ganz direkt und körperlich auch für sich haben und fühlen darf und das aber auch neben den eigentlichen Decor Walther Produkten steht. Wir wollten das Spiel des fiktiven Hotels weitertreiben und die Marke Decor Walther in den Bildern präsent halten, ohne die eigentlichen Produkte zwanghaft zeigen zu müssen. Ich glaube auch so funktioniert eben diese Beiläufigkeit der Produktinszenierung. Weil wir den Druck da rausgenommen haben und so die Produkte stille Teilnehmer sein können, ohne übersehen zu werden.

Henry Walther: Wir nennen diese Elemente bewusst „Souvenirs“. Sie sollen wie eine schöne Erinnerung Room 13 in den Alltag wirken lassen. Nicht fiktiv, sondern ganz real. Am Körper, in den entspanntesten Momenten des Tages. So wird die Idee des Projektes sprichwörtlich getragen.

Neben dem Buch wird Room 13 während der Milan Design Week auch als räumliche Intervention präsentiert. Welche Erfahrung soll dieser Raum ermöglichen?

Henry Walther: Der Raum soll sich anfühlen wie ein gutes Hotel: authentisch, einladend, geprägt von Gastfreundschaft und einer schönen Zeit. Ein Ort, den man für einen Moment bewohnt und dann wieder verlässt, um weiterzuziehen. Eine temporäre Heimat voller Atmosphäre.